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Herzogin Elisabeth
zu Braunschweig-Lüneburg

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Auf den Spuren einer außergewöhnlichen Frau

Tochter des brandenburgischen Kurfürsten
Elisabeth kam am 24. August 1510 als Tochter des brandenburgischen Kurfürsten Joachim I. (1484-1535) und dessen Frau, der dänischen Prinzessin Elisabeth (1485-1555), in Cölln an der Spree zur Welt. Die kleine Elisabeth wuchs zusammen mit vier Geschwistern auf und erhielt eine umfassende humanistische Bildung. Foto GemaeldeHerzog Erich zu Braunschweig-Lüneburg (1470-1540), dessen erste Ehe mit Katharina von Sachsen kinderlos geblieben war, heiratete nach deren Tod im Frühjahr des Jahres 1525 die 40 Jahre jüngere Elisabeth in Stettin und zog danach mit ihr in seine Residenzstadt Münden, wo zu Ehren des Brautpaares ein mehrtägiges Ritterturnier im Innenhof des Schlosses abgehalten wurde. Auf einem Gemälde, das in der oberen Rathaushalle zu finden ist, stellte der Ortsheimatpfleger und Künstler Alfred Hesse nach dem Zweiten Weltkrieg dar, wie er sich die Ankunft Elisabeths im Jahre 1525 in Münden vorstellte (Foto: Uwe Scharrer).


Ein Mönch aus Wittenberg
Zu dieser Zeit sorgte ein Mönch aus Wittenberg für Aufsehen im Heiligen Römischen Reich: Martin Luther hatte mit seiner in 95 Thesen geäußerten Kritik am päpstlichen Ablasshandel die Grundfesten des christlichen Abendlandes erschüttert. Bereits 1527 hatte sich Elisabeths Mutter öffentlich zum neuen Glauben bekannt, indem sie das Abendmahl unter beiderlei Gestalt einnahm, worauf sie von ihrem Gemahl eine Frist von einem Jahr gesetzt bekam, um zum alten Glauben zurück zu finden. Die Kurfürstin konnte und wollte sich jedoch nicht darauf einlassen und floh. Elisabeth lernte den Reformator vermutlich bei einem Besuch ihrer Mutter „im Exil“ persönlich kennen. Die junge Elisabeth stand den Lehren des Wittenberger Reformators zunächst skeptisch gegenüber.


Das Welfenschloss
Foto SchlossTrotz des großen Altersunterschiedes zwischen Elisabeth und Erich handelte es sich offenbar um eine Ehe ohne unüberwindliche Konflikte, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein dürfte, dass sich Erich überwiegend auf der Feste Calenberg und später auf der Erichsburg nahe Dassel aufhielt, während Elisabeth in ihrer Leibzucht Münden weilte. Über die Hälfte ihres Lebens hat sie auf dem Welfenschloss gelebt und gewirkt. Kurze Zeit nach ihrem Tod ist das Schloss in Teilen abgebrannt. Nur der nordöstliche, farbig abgehobene Eckbereich überstand den Brand nahezu unbeschadet. Durch das heute noch sichtbare, mit Stabgitterwerk geschmückte Torgewände zum Treppenturm ist sie ein- und ausgegangen, die Wendeltreppe dahinter hinauf- und hinabgestiegen. In den Gemächern hat sie mit ihrer Familie gelebt und gearbeitet. Von den Fenstern des Doppelerkers aus hatte sie eine wunderbare Sicht auf die Werra mit der Brücke, die schon damals mehr als 300 Jahre alt war, auf den Bramwald und auf den Reinhardswald (Foto: Uwe Scharrer).


Der Hexenwahn
Brenzlig sollte es auch für Anna von Rumschottel, die langjährige Mätresse des Herzogs, werden. Elisabeth war schwanger und machte die Nebenbuhlerin für Komplikationen bei dieser Schwangerschaft verantwortlich. Sie forderte ihren Mann auf, Anna von Rumschottel als Hexe verfolgen zu lassen, schickte auch selber Spione und Soldaten in das benachbarte Bistum Minden, um sie in ihrem Versteck im Mindener Amtshaus festnehmen zu lassen. Doch Anna von Rumschottel entkam. Bei Inquisitionsverfahren gegen angebliche Helferinnen der Rumschottel starben einige der beschuldigten Frauen nach Folterqualen auf dem Scheiterhaufen. Schließlich erzwang Elisabeth von Erich I. ein einträglicheres Witwengut, als ihr durch die Heirat vertraglich zustand: Anstatt des bisherigen Amtes Calenberg im Unterwald, das mit Schloss und Amt Calenberg, sowie den Städten Neustadt und Hannover wenig Einnahmen brachte, erhielt sie den einträglicheren Oberwald mit den Städten Northeim und Göttingen, sowie dem Sitz in Münden, was ihr auch ein größeres politisches Gewicht verschaffte.


Die neue Lehre
AbendmahlDie junge Fürstin verfolgte in dieser Zeit das reformatorische Geschehen immer mehr und traf 1534 bei einem Besuch ihrer Mutter mit Luther zusammen. Am 7. April 1538 ließ sie sich erstmals den Laienkelch reichen und bekundete damit nun auch öffentlich ihre Zugehörigkeit zum neuen Glauben. Diese Szene zeigt eines der beiden Gemälde in der unteren Rathaushalle von Rudolf Siegmund aus dem frühen 20. Jh. (Foto: Cornelia Renders). Seit dieser Zeit pflegte Elisabeth Briefkontakt mit dem ehemaligen Mönch. Sie ließ ihm Mündener Schafskäse zukommen und erhielt im Gegenzug Maulbeer- und Feigenbaumsetzlinge. Die Maulbeerbäume haben bis in die 1920er Jahre in Münden gestanden. Noch heute erinnert ein „Maulbeerweg“ an dieses Geschenk Luthers an die Herzogin.


Die vormundschaftliche Regierung
Erich ließ Elisabeth gewähren, obwohl die Hinwendung zu Luthers Lehren seiner kaisertreuen Gesinnung widersprach. Die junge Herzogin konnte in ihrer Leibzucht Münden weitgehend walten, wie sie wollte. Sie setzte den Landgrafen Philipp von Hessen von ihrem Übertritt in Kenntnis und holte mit dessen Hilfe den evangelischen Pfarrer und Reformator Antonius Corvinus aus dem nahen Witzenhausen nach Münden. Nach dem Tod Erichs I. am 30. Juli 1540 erkämpfte sie sich gegen den erbitterten Widerstand des Neffen Heinrich aus Wolfenbüttel die vormundschaftliche Regierung über das Fürstentum. Unterstützt wurde sie dabei von den Mitvormündern Philipp von Hessen und ihrem Bruder Joachim II. von Brandenburg. Die wenigen Jahre ihrer Vormundschaft nutzte sie zur Durchsetzung der Reformation und zur Sanierung des fürstlichen Haushalts.


Durchsetzung des Reformationswerkes
Elisabeth setzte Antonius Corvinus zum obersten Geistlichen des Fürstentums mit Sitz in Pattensen ein. Der Jurist Justus von Waldhausen, der in Wittenberg studiert hatte, wurde auf Empfehlung Luthers zum Fürstlichen Rat und späteren Kanzler ernannt. Der Mediziner Burckhard Mithoff sowie der Hofrichter Justinus Gobler und der Magister Heinrich Campe komplettierten das Team, mit welchem die Fürstin ihr Reformationswerk durchsetzen wollte. 1542 wurde die Calenberger Kirchenordnung für ganz Calenberg-Göttingen erlassen; dieser folgte eine gründliche Kirchenvisitation vom 17. November 1542 bis zum 30. April 1543, an der auch Elisabeth zeitweise persönlich teilnahm.
Ganz im Sinne Luthers wollte sie die Bildung vorantreiben. GlasfensterBeim 25-jährigen Jubiläum des Gymnasiums, das 1901 gegenüber der katholischen Kirche St. Elisabeth errichtet worden ist, erinnerte man sich an diese Bestrebungen und so erhielten die Fenster in der Aula zum Teil farbige Glasbilder mit entsprechenden Motiven. Ausgeführt wurden sie von dem Frankfurter Glasmaler Otto Linnemann. Neben der Herzogin Elisabeth, ihrem Gemahl Herzog Erich I. und ihren jeweiligen Wappen sind Hinweise auf Ereignisse aus ihrer beider Leben dargestellt. Über Elisabeth befindet sich ein Kranz mit einem Buch im Inneren, das die Aufschrift „Schulordnung 1542“ trägt.
Eine Klosterordnung vom 4. November 1542 regelte die evangelische Umgestaltung der Klöster. 1544 wurde eine Hofgerichtsordnung erlassen, um auch die Rechtsverhältnisse im Lande zu ordnen. Zudem verfasste die Fürstin eigenhändig eine Anzahl geistlicher Lieder sowie einen Sendbrief an ihre Untertanen, welcher diese im Glauben stärken sollte.


Armen- und Krankenfürsorge
Ihre Untertanen lagen der Herzogin sehr am Herzen. WappenAuf dem Schloss wurden die Armen stets mit dem Nötigsten versorgt, auch wenn es um die Finanzen am Hof meist nicht gut bestellt war. Zusammen mit dem Rat der Stadt übernahm Elisabeth die Verwaltung des Hospitals St. Spiritus, gelegen am Fuße der Werrabrücke. Daran erinnerte sich der Siechenhausverein, der zu Beginn des 20. Jhs. in das ehemalige Amtshaus in der Straße „Vor der Burg“ eingezogen war. Als man die Bezeichnung „Siechenhausverein“ nicht mehr als zeitgemäß empfand, wurde der Verein in „Herzogin-Elisabeth-Stift“ umbenannt. Eine Tafel am Haus (Foto: Thomas Kossert), gestaltet von dem ehemaligen Stadtbildpfleger und Grafiker Heinz Hartung, weist seit Beginn der 1960er Jahre darauf hin. Neben dem Allianzwappen des herzoglichen Paares befinden sich auf der Tafel ihr Name sowie ihre Lebensdaten. Eine verkleinerte Ausführung ist an dem Neubau des Herzogin-Elisabeth-Stiftes „Am Plan“ angebracht.


Der abtrünnige Sohn
Im Jahr 1546 sollte Erich II. nach dem Erreichen seiner Volljährigkeit die Regierungsgeschäfte offiziell übernehmen. Die Mutter ließ es sich nicht nehmen, in einem Regierungshandbuch eigens die wichtigsten Ratschläge zu notieren, die ihrem Sohn als Leitfaden für die nun folgende eigene Regierungszeit dienen sollten. Nach seinem Regierungsantritt schloss Elisabeth mit Graf Poppo XII. zu Henneberg (1513-1574) die Ehe, wobei sie in ihrer Leibzucht Münden verblieb. Mit großer Sorge verfolgte sie die Hinwendung ihres Sohnes zum katholischen Glauben. Er kehrte nach seinem Machtantritt zum alten Glauben zurück und kämpfte auf der Seite Karls V. gegen den evangelischen Schmalkaldischen Bund. 1547 schloss sich Erich dem Augsburger Interim - einem Reichstagsbeschluss mit dem Ziel der Rückführung aller evangelischen Gebiete zum Katholizismus - an. Trotz einer massiven Verhaftungswelle gegen führende lutherische Geistliche gelang im dieses Vorhaben nicht.


Einsamer Tod in Ilmenau
1553, nach der Schlacht bei Sievershausen, wurde Elisabeth durch Herzog Heinrich, der in Wolfenbüttel regierte, aus Münden vertrieben und verbrachte danach entbehrungsreiche Jahre in Hannover. 1555 siedelte sie zu ihrem Gemahl Poppo ins thüringische Ilmenau in der Grafschaft Henneberg über, wo sie ein letztes Mal die Feder zur Hand nahm und ein Trostbuch für Witwen verfasste, das diese in ihrer Trauer begleiten sollte. Die Quellen berichten, dass Elisabeth ein Jahr später, 1558, vollkommen entkräftet und mit gebrochenem Herzen in Ilmenau verstarb. Ein von ihren Kindern finanziertes Epitaph des Innsbrucker Bildhauers Siegmund Buchlinger mit ihrem Abbild befindet sich seit 1566 in der St. Ägidien-Kapelle der St. Johannis-Kirche zu Schleusingen. Der Sockel ist mit einer lateinischen Widmung ihrer Kinder versehen.


Weitere Spuren in Münden
Foto GedenktafelDie Mündener haben, wie aufgezeigt, im 20. Jahrhundert zu verschiedenen Anlässen ihrer gedacht. Zudem entschied der Rat der Stadt in den 1960er Jahren, dass eine Straße am Kattenbühl den Namen der Herzogin tragen sollte. Von dieser Straße zweigt ein Fußweg ab, der den Namen eines bedeutenden Weggefährten erhielt: Corvinusweg. Beide Namen - Elisabeth und Corvinus - sind auf einer Gedenktafel in St. Blasius zu finden, die anlässlich des 400. Geburtstages Corvins „von der dankbaren St. Blasii-Gemeinde“ im Jahre 1901 gestiftet wurde. (Foto: Uwe Scharrer)


Porträt des Herzogpaars
Erich-ElisabethLange Zeit galt das Doppelporträt des Herzogpaars, das im Städtischen Museum im Schloss hängt, als zeitgenössisch. Das Original dieser Kopie befindet sich in Gripsholm / Schweden. Im Zusammenhang mit einem Vortrag des Heimat- und Geschichtsvereins Sydekum im Jahre 2006 über die Mode in der Renaissance entdeckte die Kunsthistorikerin Britta Reimann bei ihren Recherchen, dass Mode und Stil nicht der Zeit Herzogin Elisabeths entsprechen. Wolfgang Kunze, Autor der Beiträge zu Erich I. und Erich II. im u.g. Werk, gab den Hinweis, dass dieses Gemälde rund 100 Jahre nach ihrem Tod nach unbekannten Vorlagen im Zusammenhang mit einer Ahnengalerie in Schweden angefertigt wurde.


Epitaph in St. Blasius
Foto EpitaphDie einzige zeitgenössische und damit auch historisch wertvollste Darstellung der Herzogin in Münden ist in St. Blasius zu finden. Im Altarraum ist ein Epitaph aufgehängt, das möglicherweise kurz nach der Vermählung 1525 in Auftrag gegeben wurde. Ausgeführt wurde es von Loy Hering, einem Schüler Tilman Riemenschneiders. Als Material wurde ein Jurakalkstein gewählt, der in polierter Form Marmor gleicht. Auf diesem Epitaph ist in traditionell mittelalterlicher Form das Stifterpaar Erich I. und Elisabeth unter dem Kreuz Christi dargestellt. Zudem ist Katharina von Sachsen, die erste Frau Erichs, abgebildet. (Foto: Uwe Scharrer).


In die Geschichte des 16. Jhs. ging Herzogin Elisabeth zu Braunschweig-Lüneburg als bedeutsame Regentin, Reformatorin und Verfasserin zahlreicher Schriften ein.


Siehe auch: Kossert, Thomas / Tackmann, Renate: Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg,
in: Mündener Persönlichkeiten aus sechs Jahrhunderten, S. 44 - 49
Hrsg.: Heimat- und Geschichtsverein Sydekum zu Münden e.V., Münden 2007.